Alles über Aktien lernen: So lief mein erstes Investment
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Wie ich mit 665,75€ an die Börse ging – und was du daraus lernen kannst

Ich wollte alles über Aktien lernen. Und dann endlich selbst loslegen.

Die Aufregung war groß. Nur einen einzigen Mausklick musste ich machen. Und damit jeden gut gemeinten Ratschlag meiner Familie ignorieren.

Ich wollte meinen ersten Schritt an die Börse wagen. Entgegen aller Empfehlungen der Familie. Andere kauften sich von dem Geld ein Handy oder einen Laptop. Ich wollte Aktien.

Mein Entschluss stand also fest: Ich investiere jetzt. Was daraus wurde und was du daraus lernen kannst erfährst du in diesem Artikel.

Denn die erste Investition in Aktien wirft viele Fragen auf. Bei diesen Fragen möchte ich dir helfen.

Gerade als Anfänger ist es schwer, sich beim ersten Investment endgültig festzulegen. Denn dann gibt es kein Zurück mehr – das Geld ist erstmal weg.

Es sind viele Aspekte zu beachten:

  • Wie viel kaufe ich? (Wie groß ist mein Budget?)
  • Was kaufe ich? (Aktien, Anleihen, Fonds,…)
  • Wenn ich einzelne Aktien kaufe: Welche Aktien kaufe ich?
  • Wo kaufe ich? (Über welchen Online-Broker?)
  • Wann kaufe ich? (Jetzt kaufen oder erstmal abwarten?)
  • Was mache ich dann? (Wie lang halte ich meine Wertpapiere, wann verkaufe ich?)

Ich gebe dir einen Einblick in meine ersten Gehversuche als Anleger. In das, was die Grundlage dafür ist, dass ich auf aktienboss.de Erfahrungen und Erkenntnisse teile.

Ich möchte, dass du daraus lernst und dir zeigen, wie auch du den ersten Schritt meisterst. Wenn du mehr über Aktien lernen willst, ist das in meinen Augen der beste Weg dafür.

Alles über Aktien lernen? Das hier ist der wichtigste Schritt…

Beim ersten Kauf von Aktien geht es nicht nur um das Geld, das investiert wird. Vielmehr ist damit eine wegweisende Entscheidung verknüpft:

Traust du dich, in Aktien zu investieren?

Die wesentliche Erkenntnis hinter diesem Schritt ist nicht, welche Aktie du wann zu welchem Kurs kaufst.

Es ist die Entscheidung für oder gegen Aktien, die du in diesem Moment triffst.

Ich habe sie in dem Moment für mich getroffen. Ich habe den Auftrag ausgeführt und bin seitdem offiziell „Aktionär“.

Du willst bestimmt viel über Aktien lernen – und das ist gut so. Aber du kannst nie alles über Aktien lernen, wissen oder bis ins letzte Detail erklären. Wichtig ist: Lege los!

erstinvestmentstart

Der Klick, der die Order ausgeführt hat, steht repräsentativ für meine Entscheidung für Aktien. Es ist das Resultat einer langen Reise durch viele Bücher, Internetseiten, Vorlesungen und Seminare.

Irgendwann ist also mein Entschluss gereift, dass ich investieren möchte. Ich war bereit, die Schwankungen von Aktien zu akzeptieren und diese langfristig zu halten.

Das klingt in der Theorie schön und gut. Aber dann kam die Praxis.

1. Schritt: Bestandsaufnahme

Ich hatte nur einen Wert, den ich kannte. Mein Budget.

Da lag auch schon das größte Problem. Ich wollte fürs Erste maximal 700€ investieren.

erstinvestmentbudget

Dieses Geld hatte ich über. Ich musste davon weder laufenden Zahlungen tätigen noch brauchte ich es als Rücklage für Notfälle. Es war zudem kein riesiges Startkapital, das mich bei einem blöden Fehler in den Ruin treiben würde.

Aber lohnt es sich, mit nur 700€ zu investieren?

Um das herauszufinden, habe ich konkretisiert, was ich mit diesen 700€ machen würde. Und so kam ich letztendlich meiner Lösung näher.

2. Schritt: Wahl des Online-Brokers

Am Anfang steht die Wahl eines Brokers. Diesem Broker erteilen wir einen Auftrag (eine „Order“), welcher diesen dann ausführt. Dafür bekommt der Broker eine Gebühr.

Da die sogenannten „Hausbanken“ in den meisten Fällen sehr hohe Gebühren fordern, fiel die Wahl auf einen Online-Broker: comdirect*.

Ich hatte bereits ein kostenloses Giro- und Tagesgeldkonto bei der comdirect. Damit konnte ich meinen Bedarf an verschiedenen Konten optimal decken:

Das Girokonto für kurzfristige Zahlungen, das Tagesgeldkonto für Sicherheitsrücklagen und der Rest fürs Depot. Dazu kommt die kostenlose Kreditkarte.

Ein weiterer Aspekt ist die Seriosität des Brokers. Da die comdirect ein Tochterunternehmen der Commerzbank ist, fühlte und fühle ich mich dort sicher aufgehoben.

Es war somit naheliegend, dort auch ein Depot zu eröffnen.

Voraussetzung: Die Gebühren sind niedrig genug.

Gebührenberechnung

Die Depotführung ist kostenlos – check.

Pro Order fällt dort eine Gebühr von 4,90€ + 0,25% des Ordervolumens an. Die Ordergebühr beträgt jedoch mindestens 9,90€ und maximal 59,90€.

Bei meinem Budget von maximal 700€ bedeutet das also: 4,90€ + 0,25% von 700€ = 6,65€. Da dies unter dem Gebührenminimum liegt, gilt für mich die Mindestgebühr von 9,90€.

Oben drauf kommt das börsenplatzabhängige Entgelt. Wenn ich über XETRA kaufe, zahle ich ebenfalls die Mindestgebühr von 1,50€. An anderen Börsen sind dies 2,50€. Dieses Entgelt muss, unabhängig vom Broker, überall gezahlt werden.

Ich wusste also, dass mich eine Gebühr von 9,90€ + 1,50€ = 11,40€ erwartet.

Es gibt etwas günstigere Anbieter am Markt. Diese boten aber meistens nur Depots an, ohne angegliedertes Girokonto oder werden erst dann günstiger, wenn auch aktiv getradet wird – und das war nicht mein Ziel.

Ich habe mich demnach für die praktischere und einfachere Variante bei der Wahl des Online-Brokers entschieden.

Wenn du auch eine seriöse, praktische und günstige Lösung möchtest, kann ich dir die comdirect aus eigener Erfahrung weiterempfehlen.

Hier* kannst du dich selbst von comdirect überzeugen und kostenlos dein Depot und Tagesgeldkonto bei der comdirect eröffnen.

„Fehler“ #0,5: Brokervergleich

Wenn ich die Kosten jedoch auf das absolute Minimum senken wollte, hätte ich mich hier noch weiter umschauen können. Das habe ich nicht gemacht.

Ich habe mich schnell entschieden. Vielleicht zu schnell. Wobei ich anmerken muss: Ich bin auch über 5 Jahre später noch zufriedener Kunde bei der comdirect.

Auch das Depot von Flatex gefällt mir auf den ersten Blick gut und eignet sich womöglich für aktivere Anleger etwas besser, durch meine positiven Erfahrungen und die Einfachheit aller meiner comdirect-Konten habe ich aber bisher nicht gewechselt (und es auch nicht geplant).

Und ein Gutes hatte meine Eile bei der Depotwahl: Heute verbringen viele angehende Anleger Tage und Wochen damit, den richtigen Broker zu finden.

Wichtig ist aber eins: Loslegen! Und nicht, ob die Rendite nun bei dem einen Broker womöglich 0,01% besser als bei dem anderen ist.

Zurück zur Gebührenberechnung. Generell gilt: Je kleiner der Anlagebetrag ist, desto größer ist der prozentuale Anteil an Gebühren, der gezahlt werden muss.

Beispiel (bei comdirect): Für einen Anlagebetrag von 700€ wird eine Gebühr von 11,40€ fällig. Das entspricht einem Anteil von 1,63% (= 11,40€ / 700€).

Wenn du mit 3000€ investieren möchtest, zahlst du eine Gebühr von 13,90€. Der prozentuale Anteil würde auf 0,46% sinken.

Allein durch diesen Gebührenunterschied steigt die Rendite also um 1,17%!

Lohnt es sich bei kleinem Budget?

Hätte, wäre, wenn – mein Budget stand fest. Aber lohnt es sich zu investieren, wenn die Gebühren schon 1,63% der Rendite auffressen?

Definitiv!

Aktien steigen im langfristigen Durchschnitt um ca. 7-9% jährlich – die 1,63% Gebühren sind also ärgerlich, aber wir peilen noch immer einen Gewinn an.

Natürlich sind diese 1,63% nicht die einzige Gebühr, denn beim Verkaufen fällt noch einmal eine ähnlich hohe Gebühr an.

Diese habe ich aber vernachlässigt. Ich wollte langfristig investieren, also nicht bald wieder verkaufen.

Das führt dazu, dass ich nachkaufen würde – und dadurch würden meine späteren Verkaufsgebühren prozentual sinken.

Vergiss nie, dass auch noch Verkaufsgebühren auftreten! Hast du aber vor, deine Positionen sehr lange zu halten und womöglich noch nachzukaufen, musst du dir um die Verkaufsgebühren erstmal keine Sorgen machen.

Budget steht fest. Broker steht fest. Aber was kauf ich jetzt?

3. Schritt: Wahl des Anlageprodukts

Meine Entscheidung stand schnell fest: Einen ETF. Ich wollte passiv investieren.

Ein ETF bot mir die Möglichkeit, trotz meines geringen Budgets, zu diversifizieren. Ich konnte dadurch in viele Aktien investieren, ohne jede einzeln kaufen zu müssen.

Hätte ich mein Geld aufgeteilt und in verschiedene Aktien investiert, wären für jeden Aktienkauf die eben berechneten Gebühren angefallen. So ein Investment würde keinen Sinn machen.

Eine einzige Aktie zu kaufen kam für mich nicht in Frage. Es war mir schlichtweg zu unsicher, meine Geldanlage von der Entwicklung nur eines einzigen Unternehmens abhängig zu machen.

Welcher ETF?

Entscheidende Kriterien für die Auswahl des ETFs sind u.a. der Index selbst (dazu komme ich gleich), die Ertragsverwendung das Fondsvolumen und die TER (Gesamtkostenquote).

Ich wollte einen thesaurierenden ETF. Das heißt, dass die Gewinne aus Dividenden direkt reinvestiert werden.

Anschließend habe ich nur die ETFs mit der günstigsten TER herangezogen. Die Auswahl war nun also sehr eingeschränkt. Als letztes Kriterium habe ich den ETF mit dem größten Fondsvolumen gewählt.

Diese Kriterien habe ich hier bereits genauer beschrieben.

Fehler #1: Steuern? Egal…

Mein erster richtiger Fehler: Ich habe mir zu wenig Gedanken um den ETF gemacht.

Klar, ich habe einige wichtige Kriterien angelegt.

Aber ich habe vernachlässigt, dass einige ETFs, wenn sie im Ausland aufgelegt sind, steuerlich Probleme machen.

Und zwar genau die, die thesaurierend verfahren und physisch replizieren.

Ich hatte also weder auf das Fondsdomizil noch auf die Abbildungsart geachtet.

Mein Glück: Ich hatte (vielleicht intuitiv) einen ETF mit dem Fondsdomizil Deutschland gekauft, wo eine reibungslose Übermittelung der Steuern von Depotbank zum Staat stattfindet.

Merke: Bevor du investierst, seien es ETFs oder andere Produkte, informiere dich wirklich umfassend, da oft Fallen lauern, an die man selbst gar nicht denkt. 😉

Okay, die nächste Frage stand an:

In welchen Index will ich investieren? Ich habe nur kurz überlegt. Meine Entscheidung fiel auf den DAX.

erstinvestment alles

Warum?

Nun ja…

Ganz ehrlich: Ich bin dem Home-Bias zum Opfer gefallen.

Fehler #2: Der Home-Bias

Versteh mich nicht falsch: Es war keine schlechte Entscheidung. Doch der Weg, wie ich die Entscheidung getroffen habe, war verbesserungswürdig.

Der Home-Bias besagt, dass wir lieber bei uns zuhause als im Ausland investieren, obwohl dort vielleicht viel bessere Investitionsmöglichkeiten warten.

Wir investieren lieber in Windparks in der Heimat, eigene Solaranlagen, Aktien von Unternehmen aus der Umgebung als in viel erfolgversprechendere Unternehmen aus den USA oder anderen Teilen der Welt.

Genau deshalb habe ich mich für den DAX entschieden – auch wenn dieses Eingeständnis nicht sofort kam. Mir war die eigene Unternehmenslandschaft vertrauter. Außerdem wollte ich mich vor einer eventuell aufwändigeren Besteuerung drücken.

Dabei habe ich gar nicht erst ins Auge gefasst, dass auch der MSCI World, der Unternehmen aus der ganzen Welt abbildet, eine gute Option darstellen könnte.

4. Schritt: Zeitpunkt festlegen

Im Grunde stand also alles fest: Ich kaufe für maximal 700€ möglichst viele Anteile an einem ETF auf den DAX. Aber wann kaufe ich?

Erst heute weiß ich, dass der Zeitpunkt egal ist. Je langfristiger investiert wird, desto irrelevanter ist der Zeitpunkt der Investition.

Den entscheidenden Impuls gab eine erneute Leitzinssenkung (die im Nachhinein betrachtet erst der Anfang von noch mehr Zinssenkungen war). Sparen wurde immer uninteressanter. Der DAX war schon die letzten Monaten gestiegen.

„Was soll die Kurse jetzt noch aufhalten?“

Das dachte ich jedenfalls.

Und ich sollte Recht behalten.

Das ist aber nicht darin begründet, dass ich zu dem Zeitpunkt zu 100% wusste, dass die Kurse steigen. Ich ging davon aus, dass meine Intention richtig ist. Ich habe gedacht, dass ich klüger bin als der Markt.

Heute zweifle ich das stark an. Viel eher glaube ich, dass ich einfach Glück gehabt habe.

Fehler #3: Market-timing versucht

Die Kurse hätten auch sinken und viel später erst steigen können – mein Wissen, um das ernsthaft voraussagen zu können, war definitiv zu wenig.

Nicht nur mein Wissen – kein Mensch auf der Welt kann konstant die Börsenentwicklungen voraussehen.

Nichtsdestotrotz gab das den Ausschlag für den letztendlichen Kauf eines DAX-ETFs. Ich hatte Glück. Heute würde ich mich nicht auf solche Spekulationen einlassen.

Du solltest investieren, ohne auf den einen Impuls zu warten.

Du würdest warten und warten – und wenn es so weit ist, haben andere die Kurse schon innerhalb weniger Minuten in die Höhe getrieben, sodass dein Vorteil keiner mehr ist.

Das ist ein zentraler Aspekt des passiven Investierens – und dieses ist eine der besten Möglichkeiten das Geld an der Börse zu investieren.

Das erste Investment: Mein Resümee

Du hörst bestimmt oft Geschichten, dass der erste Schritt an die Börse in einem Fiasko endete. Zum Glück kann ich das nicht berichten.

Wenn ein Anleger uninformiert an den Markt geht, ist der Verlust natürlich vorprogrammiert.

Mit einer guten Grundlage kann aber jeder Anfänger schon von Beginn an Erfolge an der Börse feiern – so lief es auch bei mir.

Wichtig ist nur: Sei dir bewusst, worauf du dich einlässt. Welches Risiko du eingehst. Du solltest in Aktien mit Kopf investieren und nicht überstürzt oder vom schnellen Reichtum geblendet alles drum herum vergessen.

Ich war mir im Klaren, dass die Kurse am nächsten Tag in den Keller gehen könnten. Dann hätte ich gewartet, bis die Kurse sich wieder erholt hätten.

Du kannst nicht erwarten, dass deine Kurse sofort steigen. Abwarten ist die Devise.

Ich habe dir gezeigt, wie ich entschieden habe, wie ich vorgehe. Meine Fehler, u.a. dem Home-Bias erlegen zu sein, kannst du jetzt berücksichtigen.

Auch danach noch möchte ich mehr über Aktien lernen – durch Informationen und eigene Erfahrung. Ich kann es dir nur empfehlen.

Mein Mut wurde belohnt, da meine Investition auch heute noch (über 5 Jahre später) deutlich im Plus liegt. Ich habe im Laufe der Zeit noch einige Male nachgekauft und bin noch heute dort investiert.

Aber nicht nur finanziell hat es sich ausgezahlt:

Es war der erste, wichtigste Schritt zur finanziellen Selbstbestimmung.

Es fühlt sich gut an, investiert zu sein.

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