Wie du von der "Chart of Doom" manipuliert wirst

Wie du von der „Chart of Doom“ manipuliert wirst

Momentan spielen die Medien wieder verrückt. Ist diesmal etwas an den düsteren Prognosen dran?

Die „Chart of Doom“ warnt vor einem Kurssturz wie damals am historischen „Schwarzen Donnerstag“, am 24. Oktober 1929. Wann dieser Absturz kommen soll? Genau heute.

Die meisten Medien sind kein hilfreiches Mittel für eine erfolgreiche Geldanlage. Momentan geistert aber eine Grafik durch verschiedene Nachrichten- und Finanzportale, bei der ich neugierig wurde.

Ein Musterbeispiel der Manipulation der Anleger.

Dieser Artikel zeigt dir, wie du solchen Tricks auf die Schliche kommst und einen klaren Kopf behältst.

The Huffington Post titelt mit „Chart of Doom” prophezeit Börsencrash wie 1929. Dort kommen zudem einige kritische Stimmen zum weiteren Börsentrend zu Wort. Scheinbar nicht die besten Aussichten für Anleger.

Die „Chart of Doom“. Sie zeigt den Verlauf des Dow Jones von 1928 – 1930. Die Zeitspanne, in der die amerikanische Börse einen enormen Crash erlebte –den „schwarzen Donnerstag“.

chart of doom

Um Verwirrungen vorzubeugen: Vielen ist vielleicht eher der „schwarze Freitag“ ein Begriff. Das liegt daran, dass durch die Zeitverschiebung die Panik an den deutschen Börsen erst am Freitag ausgelöst wurde. Da wir jedoch über den Dow Jones, also einen US-amerikanischen Index sprechen, rede ich vom „schwarzen Donnerstag“.

Der 24. Oktober 1929 läutete die große Depression der USA sowie die Weltwirtschaftskrise ein. Bis heute ist uns dieser Tag im Gedächtnis geblieben – und dieser Tag soll nun wiederholt werden?

Ich konnte es mir nicht so wirklich vorstellen. Was sollte plötzlich dazu führen, dass ein riesiger Börsensturz ausgelöst wird?

Zudem wissen wir aber, dass die Medien davon leben, Schlagzeilen zu generieren. Gerade im Finanzbereich. Daher habe ich den – zugegebenermaßen angsteinflößend ähnlichen – Chartverlauf mal genauer unter die Lupe genommen. Natürlich mit einer gehörigen Portion Skepsis.

Die Wahrheit

Als erstes habe ich Daten zum Vergleichen herangezogen. Auf dieser Internetseite habe ich mir die Daten der beiden verglichenen Zeiträume runtergeladen. Daraufhin habe ich mich daran gemacht, den gezeigten „Chart of Doom“ nachzustellen.

Sofort habe ich gemerkt: Dafür braucht man eine Menge Fantasie. Wahrscheinlich gibt es einige Menschen, die besser mit Excel umgehen können als ich und den Chart wirklich exakt aufeinander anpassen können. Aber der Versuch hat mir gezeigt, wieviel man an den Darstellungsmöglichkeiten rumspielen muss, bis man dieses Chartbild erhält.

Daraufhin habe ich einen richtigen Vergleich angestellt. Einen realistischen. Ich habe beide Anfangswerte als 100% angegeben und die weitere prozentuale Veränderung beider Verläufe dargestellt. Und siehe da: Jetzt kommen deutliche Unterschiede zum Vorschein.

tatsächlicher Vergleich

Der Graph des Dow Jones von 1928 – 1930 verläuft deutlich steiler. Er steigt also um einiger stärker als der Kurs seit 2012 bis heute. Dies sind nun also die Beobachtungen, die ich aus den Werten und den Graphen gewonnen habe.

Was sind nun aber konkret die Dinge, an denen wir merken, dass der „Chart of Doom“ reine Panikmache ist?

Absolut statt relativ

Wir messen Veränderungen bei Kursen meistens in prozentualen Angaben.  Das macht am meisten Sinn, da man die prozentuale Veränderung auf das eingesetzte Geld eins zu eins übertragen kann. Daher müssen wir auch die prozentualen Angaben miteinander vergleichen.

Der „Chart of doom“ vergleicht jedoch absolute Werte miteinander. Das bietet keine Basis für einen realistischen Vergleich.

Willkürliche Zeitpunkte

Die Anfangszeitpunkte unterliegen keinem realitätsnahen Prinzip. Es werden keine speziellen Anfänge von steigenden Kursen gewählt oder besondere wirtschaftspolitische Ereignisse. Sie sind einfach nur ausgewählt worden, damit der optische Vergleich sich so gut ähnelt.

Verbesserte Geldpolitik

Ein weiterer Unterschied ist der Umgang mit Krisensituationen seitens der Notenbanken.  Früher wurden Krisen mit einer Erhöhung des Leitzinses versucht entgegen zu wirken.

Heute ist das Gegenteil der Fall: Der Leitzins wird gesenkt, um eine Erhöhung der Geldmenge zu gewährleisten (auch wenn das zugegebenermaßen noch nicht die gewünschten Früchte trägt).

180% vs. 120%

Beide Zeiträume bilden eine Hausse, also steigende Kurse, ab. Durch die unterschiedliche Skalierung kommen jedoch ganz unterschiedliche Eindrücke zustande. Der wohl gravierendste Unterschied wird somit klar, wenn man sich die Grafik des tatsächlichen Vergleichs anguckt.

Von 1928 bis zum Börsencrash Ende 1929 stiegen die Kurse um über 80%. Das ist enorm für einen so kurzen Zeitraum. Heute sind die Kurse ebenfalls gestiegen, jedoch „nur“ um 20% – 25%. Wir reden hier also von ganz anderen Dimensionen.

Also kein erneuter Börsencrash?

Heute erleben wir also keinen erneuten Börsencrash. Natürlich ist es nie ausgeschlossen, aber es würde mich doch sehr wundern. Und wenn, dann hat es rein gar nichts mit dem obigen „Chart of Doom“ zu tun.

Die Medien nutzen solche Chartbilder, um reißerische Berichte verfassen zu können. Damit ihre Leser etwas Unterhaltsames zu Lesen haben.

Und hier ist der Knackpunkt. Unterhaltsam ist was ganz anderes als lehrreich. Letztendlich ist sowas nur ein Versuch, irgendwie Aufmerksamkeit zu erregen. Das hat ziemlich gut geklappt, sollte dich jedoch nicht in Angst und Schrecken versetzen.

Ein kritischer Blick hinter solche Schreckensmeldungen bringt oft Licht ins Dunkle.

Ich hoffe, ich konnte dir in diesem Artikel verständlich zeigen, wie man einer Manipulierung durch die Medien am Beispiel des „Chart of Doom“ auf die Schliche kommt.

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