Wie du über den negativen Weg zum Börsenerfolg kommst
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Wie du über den negativen Weg zum Börsenerfolg kommst

Wir machen uns immer Gedanken: „Was kann ich noch besser machen?“

Vor allem, wenn es nicht so rund läuft an der Börse, flüchten Anleger panisch aus ihren Investments. Sie müssen immer etwas tun, um das Gefühl zu haben, richtig zu handeln.

Dabei gibt es ganz andere, viel wichtigere Dinge, die an der Börse von Bedeutung sind.

Zum Einstieg eine kurze Metapher:

Der Papst fragte Michelangelo: „Verraten Sie mir das Geheimnis Ihres Genies. Wie haben Sie die Statue von David erschaffen – dieses Meisterwerk aller Meisterwerke?“

Michelangelo antwortete: „Ganz einfach. Ich entfernte alles, was nicht David ist.“

Michelangelo hat David nicht einfach so erschaffen. Er entstand, indem er alles Überschüssige entfernte.

Er hat sich darauf konzentriert, was NICHT sein soll. Nicht auf das, was sein soll. Er hat sich darauf konzentriert, gezielt auf Dinge zu verzichten, um zum Erfolg zu kommen.

In vielen Fällen wissen wir nicht genau, wie wir eigentlich ans Ziel kommen.

Beispielsweise sind überdurchschnittlich viele Führungskräfte großer Unternehmen Psychopathen.

Und trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – sind sie beruflich sehr erfolgreich.

Es gibt Menschen, die sehr ehrgeizig sind und immer arbeiten und arbeiten, aber nie wirklich nach vorne kommen.

Andere sind scheinbar recht faul, schaffen es durch glückliche „Zufälle“ aber immer, Erfolg zu haben.

Andere – bewiesen durch das Fernsehen – sind wahrscheinlich nicht die intelligentesten, protzen gerne mit ihrem Reichtum oder sind sehr eigen und nicht die sozialsten Mitmenschen.

Trotzdem sind sie erfolgreich.

Das sind alles Dinge, die nichts damit zu tun haben, ob jemand erfolgreich ist.

Wir können den Erfolg also nicht dadurch erklären, wie ein Mensch ist.

Vielleicht lässt er sich viel mehr dadurch erklären, was in all diesen Fällen nicht ist. Auf was verzichtet wird.

Und das lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen – vor allem auf die Börse.

Der negative Weg (zu deinem Erfolg)

Rolf Dobelli nennt dies in seinem Buch „Die Kunst des klaren Denkens“ „Via Negativa“. Der Weg des Verzichts, des Weglassens, des Reduzierens.

Das gleiche Buch liefert einige Zitate, welche dieses Prinzip sehr anschaulich verdeutlichen.

Das Ziel des Weisen ist nicht Glück zu erlangen, sondern Unglück zu vermeiden. – Aristoteles

Sogar Aristoteles wusste schon um die Wichtigkeit des Verzichts. Aber auch ein noch lebender, sehr erfolgreicher Investor bekräftigt diese Ansicht, wenn er über die Arbeit von sich und seinem Partner Charlie Munger spricht.

Die Rede ist von Warren Buffett.

Wir haben nicht gelernt, schwierige Probleme im Geschäftsleben zu lösen. Was wir gelernt haben: sie zu vermeiden. – Warren Buffett

Ein ungewohnter Vorschlag: Einfach mal nichts tun

Ich habe es eingangs erwähnt: Wir tun oft Dinge, nur um uns besser zu fühlen. Weil wir glauben, dass wir irgendetwas ändern müssen.

Ohne rationalen Grund ändern wir etwas – oftmals leider zum Schlechten.

Wir müssen lernen zu Verzichten. Es geht nicht zwangsweise darum, die richtigen Dinge zu tun.

Es geht vor allem darum, auf die falschen Dinge zu verzichten. Und wer unüberlegt handelt, tut genau das: Er handelt falsch, da es keinen konkreten Grund zum Handeln gibt.

Die Kunst ist also, einfach mal nichts zu tun.

Verlockend, oder?

Aber es klingt einfacher als es ist.

Seit jeher wird uns was ganz anderes eingeprägt.

„Von nichts kommt nichts.“

In vielen Fällen mag das auch zutreffen. Aber in diesem Fall kommt auch vom „nichts tun“ manchmal etwas.

Es gibt eine interessante Statistik im Fussball. Genauer gesagt geht es ums Elfmeterschießen.

Bar-eli, Azar, Ritov usw. haben im Jahr 2005 genau 286 Elfmeter in wichtigen Spielen ausgewertet. Sie haben folgende Fragen betrachtet:

  1. Wo schießen die Schützen hin (links / mittig / rechts)?
  2. Wie groß ist bei der richtigen Sprungrichtung die Wahrscheinlichkeit, den Ball auch zu halten?
  3. Wohin springt der Torwart?

Hier sind die Antworten zu diesen drei Fragen:

  1. 39% aller Schützen schießen nach rechts (aus Sicht des Torwarts), 32% nach links, 29% in die Mitte. Die Wahrscheinlichkeiten sind also ca. jeweils ein Drittel.
  2. In der linken Ecke konnte der Torwart den Ball zu 30% halten, in der rechten zu 25%, in der Mitte mit einer Wahrscheinlichkeit von 60%.
  3. Nur in 6,3% der Fälle bleibt Torwart in der Mitte, zu 49,3% springt er in die linke und zu 44,4% in die rechte Ecke.

Wir können jetzt die Wahrscheinlichkeiten für diese drei Fälle berechnen, dass der Ball gehalten wird:

tabelle elfmeter

Wir haben also ein klares Ergebnis: Der Torhüter würde mit Abstand am besten abschneiden, wenn er einfach nichts tun. Er muss nur stehen bleiben!

Denn dann wird er den Ball mit einer Wahrscheinlichkeit von 17,4% parieren – fast doppelt so hoch wie bei einem Sprung in die rechte oder linke Ecke.

Aber in der Realität sieht es nun mal anders aus. Andere Gedanken bestimmen das Handeln – die Emotionen.

Wie sieht es für die Fans aus, wenn der Elfmeter geschossen wird und der Torwart einfach in der Mitte stehen bleibt? Es sieht wahrscheinlich sehr blöd aus – obwohl es erfolgreicher wäre.

Es kann natürlich passieren, dass der Torwart in der Mitte steht und sieht, wie der Ball neben ihm ins Tor rollt. Kein schönes Gefühl. Aber auf Dauer würde sich genau dieses Verhalten auszahlen.

Und so verhält es sich auch an der Börse.

Sei entspannt an der Börse unterwegs

Es ist für viele Anleger oft unerträglich, an der Börse nichts zu tun.

Das trifft vor allem auch die großen Anleger, die große Geldsummen von Anlegern betreuen: Die Fondsmanager.

Sie müssen sich rechtfertigen, wenn die Ergebnisse nicht zufriedenstellend sind – und wie sieht es da aus, wenn ein Investor einfach nichts tut?

Wer sollte ihm fürs „nichts tun“ sein Geld anvertrauen?

Dabei wäre das eine viel erfolgreichere Anlagemethode.

Wir Privatanleger können und müssen unseren „Action Bias“ im Griff haben.

Hinterfrage immer den Grund deines Handelns.

Machst du es, weil es einen konkreten Grund zum Handeln gibt, also ein Kaufs- oder Verkaufssignal? Oder willst du nur dein Gewissen beruhigen?

Vor allem: Sei ehrlich zu dir selbst. Und konsequent in deiner daraus resultierenden Handlung.

Vermeide es, aus reiner Langeweile („boredom trades“), Gewissensberuhigung, Gier oder sonstigen Dingen zu handeln.

Wir bekommen täglich neue Informationen und neue Meinungen zu der aktuellen Marktlage. Jeden Tag neue Handlungsempfehlungen. Oft auch inhaltslose News und völlig irrelevante Informationen.

Lass dich davon nicht hinreißen und vertrau deiner Entscheidung, nicht den Medien.

An der Börse ist belegbar, dass eine entspannte Haltung zu mehr Erfolg führt.

Das belegt eine Untersuchung von Barber und Odean:

Sie haben im Jahr 2000 gezeigt, dass eine häufigere Handelsanzahl und die erreichte Performance im negativen Zusammenhang stehen.

Sie bildeten Gruppen nach der Anzahl an Käufen und Verkäufen. Dabei kam heraus:

Eine Gruppe mit niedrigem Handelsumsatz hatte eine um ca. 53% höhere Rendite als die Gruppe mit der höchsten Anzahl Trades.

Es stimmt also wirklich: Handel nur, wenn es wirklich nötig ist.

Es wird sich positiv auf deine Rendite auswirken. Du kannst dich entspannen und trotzdem erfolgreich sein.

Verzichte auf die Dinge, die du nicht brauchst.

Reduzier deine Handlungen auf das Wesentliche und die Dinge, die dich wirklich zum Erfolg führen.

Ich habe dir schon im letzten Artikel präsentiert, welche 7 Dinge du vermeiden solltest, wenn du dein Geld nicht „clever versenken“ möchtest.

Du könntest die Frage stellen: Wozu musst du wissen, wie du dein Geld versenkst?

Genau dafür: Damit du weißt, auf welche Dinge du verzichten musst.

Geh den negativen Weg an der Börse – für mehr Entspannung und eine bessere Rendite.

Erwischst du dich auch manchmal dabei zu viel zu wollen? Lass es mich in den Kommentaren wissen.

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