Die Nachteile von ETFs: Diese negativen Aspekte musst du kennen

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In der ETF-Branche herrscht Aufbruchstimmung.

Das in ETFs investierte Geld wird Jahr für Jahr größer. Alle schwärmen von den passiven, kostengünstigen Indexfonds, die die meisten Investmentfonds schlagen.

Nicht zuletzt habe ich einen Videokurs erstellt, der ganz zentral ETFs als Mittel für die erfolgreiche passive Anlagestrategie beinhaltet.

Aber irgendwo muss doch ein Haken sein, oder?

Es gibt durchaus Nachteile, die ETFs mit sich bringen. Dinge, über die sich aktive und passive Investoren laufend heiße Debatten liefern.

Und da ich mich im Zuge meines Videokurses ausführlich mit ETFs auseinandergesetzt habe und ich immer ein reflektiertes Bild liefern möchte, gehört dazu ganz zentral, dass wir uns auch die Nachteile von ETFs anschauen und vergegenwärtigen.

Wie schwerwiegend diese sind, wie sie sich auf unsere Geldanlage auswirken und warum ETFs nicht die Lösung aller Probleme sind, kläre ich in diesem Artikel.

Vorab: Wenn du noch nicht weißt, was ETFs überhaupt sind, empfehle ich dir diesen Artikel.

Es gibt 7 konkrete Punkte, die ETF-Gegnern ein Dorn im Auge sind.

1. Ein ETF ist teurer als eine Aktie

Eine einzelne Aktie hat keine laufenden Kosten. Sobald du die Aktie gekauft hast befindet sie sich in deinem Besitz und fordert keine Zahlungen mehr.

Ein ETF fordert dagegen, dass du jährlich etwas von deiner Rendite abdrückst. Diese Gebühr verlangt die Fondsgesellschaft dafür, dass sie den Index laufend für dich abbildet.

Das bedeutet: Ein ETF hat jährliche Kosten, eine Aktie nicht. Auch der Besitz von 50 Aktien hätte keine laufenden Kosten zur Folge.

Diese jährliche Gebühr fehlt also bei der Rendite des ETFs und macht in der Regel 0,1 – 0,7% aus.

Der ETF ist also bei den jährlich anfallenden Kosten unterlegen. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille.

Denn dafür haben ETFs bei den Ordergebühren ganz klar die Nase vorn:

Jeder Aktien- und ETF-Kauf verlangt Gebühren.

Um so breit zu investieren wie ETFs musst du sehr viele Aktien kaufen. Das führt dazu, dass du viel öfter Ordergebühren zahlen musst, als würdest du nur einen ETF kaufen.

Je größer dein Kapital ist, desto weniger fällt die Ordergebühr ins Gewicht, da sie dann bei den meisten Brokern einen kleineren Anteil an deiner Investitionssumme ausmacht.

Solange du breit diversifizieren möchtest sind ETFs – trotz laufender Kosten (in Höhe der TER) – die günstigere Wähl.

Hast du ein größeres Kapital und genug Gründe (welche die meisten nicht haben), dein Geld in Einzelaktien zu investieren, können Aktien günstiger sein als ETFs. Du wirst eine höhere Ordergebühr zahlen, musst dafür aber jährlich keinen Cent mehr abdrücken.

(Tipp: Willst du wissen, wie du die ETFs findest, die wirklich am günstigsten sind - und zwar viel genauer als mit der TER? Schaue dir mein Video dazu an.)

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2. Die Marktrendite muss reichen

„Indem du breit in einen ganzen Markt investierst, erreichst du zwangsläufig die Durchschnittsrendite aller Aktien in diesem Markt.“

Was im ersten Moment logisch klingt, ist in Wahrheit falsch.

Tatsächlich erreichst du fast zwangsläufig eine überdurchschnittliche Rendite – ohne Hokus Pokus, sondern dank reiner Mathematik und des passiven Anlageansatzes.

Der Unterschied liegt in der Brutto- und der Nettorendite.

Die Bruttorendite ist die Rendite, die ein Anleger erreicht, ohne dass die anfallenden Kosten (Ordergebühren, Spread, Steuern…) abgezogen wurden.

Die Nettorendite ist um diese Kosten bereinigt. Sie ist also die Rendite, die du als Anleger letztendlich als Verzinsung auf dein Kapital erhältst – und deshalb ist sie auch ausschlaggebend.

Betrachten wir die Bruttorendite erreichen wir tatsächlich nur den Durchschnitt anhand des passiven Investierens.

Unsere Nettorendite ist aber fast zwangsläufig über der Rendite der aktiven Anleger, da wir in der Regel deutlich geringere Kosten haben als die anderen Anleger. Das liegt schlichtweg daran, dass wir kaum Handeln.

Und dadurch erreichen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit eine überdurchschnittliche Nettorendite.

Hier siehst du das ganze veranschaulicht. Dabei habe ich angenommen, dass dem aktiven Investor Kosten in Höhe von 3% p.a. anfallen und dem passiven Investor Kosten von 0,5% p.a. anfallen.

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Jetzt könnte ein Feind des passiven Investorens noch argumentieren:

Okay, aber einer der beiden Anleger liegt ja trotzdem über der Nettorendite des passiven Investors.

Das stimmt. Und tatsächlich wird es immer mal bessere Investoren geben als den passiven Investor.

Jedoch zeigen empirische Ergebnisse, sowohl was den Erfolg der Privatanleger als auch den Erfolg der Fondsmanager angeht, dass sich diese „besseren Investoren“ häufig abwechseln und oft zufallsbedingt an der Spitze stehen.

Je länger wir das ganze aber betrachten, desto geringer wird die Zahl derer, die den passiven Investor schlagen.

Die langfristige Entwicklung habe ich ebenfalls für dich verdeutlicht, basierend auf den obigen Daten und der Annahme, dass der Erfolg der aktiven Investoren zufallsbedingt ist:

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Es lässt sich darüber streiten, wie groß der Vorsprung des passiven Investors ist. In der Vergangenheit haben Indexfonds die aktiv gemanagten Investmentfonds um ca. 3% – 5% p.a. hinter sich gelassen.

Außerdem gibt es immer wieder Versuche, aktive Anlagestrategien zu konstruieren, die den Markt verlässlich schlagen. Aber, wie die Untersuchungen zeigen, ist das a) sehr selten und b) ändert es nichts daran, dass das passive Investieren eine überdurchschnittliche Rendite liefert.

Der letzte „Kritikpunkt“, der übrig bleibt: Das passive Investieren nimmt die Chance auf die Riesengewinne.

Du wirst dein Geld nicht in kurzer Zeit vervielfachen, wie es bei kleinen Start-Ups der Fall sein könnte. Du wärst auch nicht vor 10 Jahren auf die Apple-Aktie gestoßen, mit der du reich geworden wärst.

Genauso wirst du aber auch kaum erleben, dass du dein ganzes Geld in einem ETF versenkst. Ein breit diversifizierter ETF geht nicht so einfach pleite wie es bei einer einzelnen Aktie der Fall sein kann.

Das ist für die einen die Genügsamkeit, die bei geringem Risiko zu einer sehr guten und überdurchschnittlichen Rendite führt.

Die anderen wollen den Nervenkitzel. Sie wollen potentielle Super-Aktien finden, den Markt vorausahnen und ihn schlagen. Der passive Investor gibt sich diesen Versuchungen nicht hin.

Wenn dein Ziel lautet, mit aller Macht eine Rendite weit über der Marktrendite erzielen zu wollen sind ETFs nicht das optimale Mittel für deine Geldanlage.

Wenn du mit hoher Wahrscheinlichkeit aber eine überdurchschnittliche Rendite erreichen willst, sind sie sehr gut für dich geeignet.

3. ETF-Anleger sind Trittbrettfahrer

Die verbreitete Theorie, auf die viele ETF-Investoren schwören, ist die Effizienzmarkthypothese.

Diese besagt, dass alle verfügbaren Informationen schon in den Aktienkurs eingepreist sind und es nicht möglich ist, ohne das Eingehen eines höheren Risikos, eine bessere Rendite zu erzielen.

Diese weit verbreitete Theorie nimmt also an, dass auf den Märkten faire Aktienpreise herrschen. Das ist auch durchaus nachvollziehbar.

Werden schlechte Nachrichten veröffentlicht fällt der Aktienkurs. Bei guten Neuigkeiten steigt der Aktienkurs.

Dadurch entsteht ein Preis, bei dem das Angebot und die Nachfrage im Gleichgewicht sind, den alle Anleger gemeinsam schaffen.

Weil es nach dieser Hypothese nicht möglich ist eine Überrendite zu erzielen, wird in ETFs und passiv investiert.

Dadurch ist der ETF-Anleger ein Trittbrettfahrer: Fondsmanager, Analysten und Privatanleger sorgen für faire Preise auf dem Markt.

Sie analysieren Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen, Mitkonkurrenten, das Management und viele weitere Aspekte. Sie sorgen für die fairen Preise auf dem Markt.

Der Anleger, der breit in den Markt investiert, macht sich also die fairen Preise zunutze, zu denen er selbst nichts beiträgt.

Im Gegenteil: Er trägt sogar dazu bei, dass die Preise unfairer werden. Wie das passiert erfährst du im nächsten Punkt.

4. ETFs verstärken Kursbewegungen

Die replizierenden ETFs bilden die Entwicklung des zugrundeliegenden Index ab, indem sie die darin enthaltenen Aktien tatsächlich kaufen.

Das ist der logische Vorgang um einen Markt abzudecken: Kaufe einfach die darin enthaltenen Aktien.

Wenn ein Aktienkurs steigt, bedeutet das, dass mehr Anleger diese Aktie kaufen. Die Aktie wird also beliebter.

Indem der Aktienkurs steigt, gewinnt ein Unternehmen an der Börse an Wert.

Genau das muss der ETF berücksichtigen: Der ETF beinhaltet die Aktien, gewichtet mit ihrem Börsenwert.

Wenn der Börsenwert steigt, muss der ETF auch diese Aktie nachkaufen, damit die Gewichtung wieder der Gewichtung des Index entspricht.

Dadurch werden also nochmal mehr Aktien gekauft als ohnehin schon gekauft wurden. Der Aufwärtstrend wird durch ETFs künstlich verstärkt.

Genauso funktioniert es umgekehrt: Wenn viele Anleger eine Aktie verkaufen muss auch der ETF diese Aktie verkaufen. Dadurch fällt der Kurs stärker, als die Anleger es eigentlich beabsichtigten.

Dadurch werden die Kursbewegungen künstlich verstärkt. Der ETF macht einfach das, was die meisten Anleger auch tun.

Das führt dazu, dass die Aktienkurse von ihrem „fairen Wert“ abweichen, da der Aktienkurs nicht mehr nur durch alle aktiven Marktteilnehmer bestimmt wird, sondern ebenfalls durch die replizierenden ETFs.

Zum Glück sind wir davon in der Realität noch weit entfernt. Aber…

5. Was passiert, wenn alle nur noch ETFs kaufen?

In Deutschland nutzen bisher nur wenige Anleger ETFs. Wir sind also weit davon entfernt, dass diese ETFs eine große Auswirkung auf das Marktgeschehen haben – bisher jedenfalls.

ETFs bieten nach wie vor viele Vorteile. Das wird dazu führen, dass immer mehr Menschen in ETFs investieren.

Die Finanzbranche tut aber ihr Bestes, um den Leuten ihre überteuerten Produkte aufzudrücken, weshalb das ganze etwas ausgebremst wird.

Wie relevant ETFs in 10 Jahren sein werden ist sehr spekulativ und kann keiner beantworten. Was passiert aber, wenn der Großteil der Anleger in ETFs investiert?

Je mehr Menschen ihr Geld in ETFs packen, desto weniger Akteure sorgen für die Preise auf dem Markt.

Aber wie wir gesehen haben: Der Erfolg der ETFs beruht darauf, dass alle Marktteilnehmer für faire Preise sorgen.

Je weniger Akteure tatsächlich Unternehmen analysieren und damit das Unternehmen bewerten, desto stärker wird der Preis einer Aktie vom tatsächlichen Wert abweichen.

ETFs urteilen nicht über den Wert einer Aktie. Sie nehmen den Wert, den die anderen Marktteilnehmer herstellen.

Das wird größere Chancen für aktive Anleger eröffnen. Da dann nur weniger Akteure für die Preisfindung verantwortlich sind, ist es wahrscheinlicher, mit Geschick und Wissen günstige Aktien zu finden.

Je ineffizienter der Markt wird, desto besser steht der aktive Anleger dar.

Aber dazu sei gesagt: Dieses Szenario ist noch weit entfernt und nicht abzusehen.

6. ETFs haben keine eigene Meinung

Viele Fondsmanager stören sich an den ETFs, die große Aktienbestände in ihren Reihen halten.

Die meisten Aktien beinhalten ein Stimmrecht. Dieses Stimmrecht kann auf der Hauptversammlung genutzt werden, um für oder gegen Pläne des Vorstandes zu stimmen.

Für Privatanleger ist das weniger relevant. Fondsmanager, die große Aktienbestände eines Unternehmens halten, erreichen dadurch aber ein großes Mitspracherecht.

Hält ein Fonds 20% eines Unternehmens, was in der Realität gar nicht so selten vorkommt, besitzt er 1/5 der Stimmrechte. Dadurch spielt er eine enorme Rolle in der Unternehmenspolitik.

Außerdem dient er als Kontrollmechanismus für das Unternehmen. Er vertritt die Interessen der Aktionäre, stellt kritische Fragen und möchte das Unternehmen in eine möglichst positive Zukunft lenken.

ETFs sind genauso mit großen Anteilen an vielen Aktien beteiligt. ETFs üben ihr Stimmrecht aber nicht aus, da kein Fondsmanager dort an der Spitze steht.

Dadurch fehlt ein wichtiger Kontrollmechanismus für alle Anleger. Viele Stimmrechte verfallen dadurch einfach und werden nicht ausgeübt.

(Tipp: Den simplen und wissenschaftlich fundierten Trick, mit dem du bis zu 96% der Fondsmanager schlägst (bei nur ca.  3 Stunden Aufwand pro Jahr) erfährst du hier.)

Unfairer Trick Shortcode Bild

7. ETFs fördern die Zockermentalität

ETFs sind sehr günstige Möglichkeiten um in einen ganzen Markt einzusteigen. Sie sind sehr gut handelbar und verlangen keine großen Kosten.

Das verleitet viele Anleger nach Meinung vieler Finanzexperten zum Zocken.

Je geringer die Kosten sind, desto mehr wird auch ein Instrument wie der ETF zum aktiven Handeln genutzt.

Doch dadurch verlieren ETFs ihren Vorteil. Gerade langfristig sind sie günstig und besser als die meisten Investmentfonds.

Sie sind optimal geeignet um erfolgreich PASSIV zu investieren.

Sie dienen optimal als passives Anlageinstrument. Sie sind aber nicht das Allheilmittel gegen alle Börsenprobleme.

Du bist für den richtigen Umgang mit diesem Produkt verantwortlich. ETFs sind sehr gut – wenn du aber anfängst mit ihnen waghalsig zu zocken werden dir die Vorteile der ETFs nicht viel nutzen.

Mindestens genauso wichtig wie das Finden des richtigen Produkt ist der richtige Umgang mit diesem.

Kritik und Nachteile an ETFs – was bleibt davon übrig?

Es gibt jede Menge Stimmen, die ETFs kritisieren. Diese Kritik können wir aber in zwei Kategorien einteilen:

  1. Die Kritik, die die Nachteile des ETFs für den Anleger darstellen
  2. Die Kritik von anderen Fondsmanagern, denen ETFs ein Dorn im Auge sind

ETFs sind in der Investmentszene durchaus umstritten und immer wieder Gegenstand hitziger Diskussionen. Für dich als Privatanleger ist aber vor allem der erste Teil der Kritik interessant.

Du musst die Nachteile und Gefahren kennen, die ETFs mit sich bringen können.

Konkret heißt das, dass ETFs…

  • eine laufende Gebühr fordern
  • zum Zocken verleiten
  • den Markt brutto nicht schlagen (was viele aktive Anleger leider nicht beachten)
  • irgendwann ineffizienter werden könnten

Das sind die zentralen Punkte, die dir als Anleger bewusst sein müssen.

Dazu sei gesagt: ETF ist nicht gleich ETF. Und bevor du in einen solchen investierst, solltest du genau wissen, womit du es zu tun hast und wie der jeweilige ETF vorgeht und ob es zu deinem Vorhaben passt.

Nachteile und mögliche, aber überwindbare Risiken von ETFs sind also vorhanden. Das alles ändert aber nichts daran, dass ETFs für uns Privatanleger eine gute Möglichkeit sind günstig und risikoarm eine gute Rendite zu erwirtschaften.

Daran ändert auch die Kritik der Investmentfonds und Banken so schnell nichts.

PS: Wenn du mehr über das erfolgreiche passive Investieren in ETFs wissen willst, dann kannst du dich hier eintragen und erhältst eine 3-teilige Videoserie und alle Infos zu meinem Videokurs, die sich gezielt den Themen ETFs, erfolgreiches und entspanntes Investieren widmen.


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