Vervielfache deine ETF-Rendite – Abkürzung oder Sackgasse?

thumb hebel etfs

Langfristig steigen die Aktienmärkte. Deshalb können wir mit ETFs günstig von dieser Entwicklung profitieren.

Wir fahren also recht zuverlässig eine positive Rendite ein, indem wir einfach einen Index abbilden. Der Erfolg unserer Geldanlage hängt also davon ab, dass die Aktienkurse im Durchschnitt tatsächlich steigen.

Wie wäre es aber, wenn wir diese Rendite einfach verdoppeln oder verdreifachen?

Gehebelte ETFs vervielfachen die Rendite des zugrunde liegenden Index. Bei einem langfristig steigenden Aktienmarkt, den wir ja so oder so annehmen, kein Problem – oder?

Mit diesem Artikel möchte ich mich einmal differenziert mit gehebelten ETFs auseinandersetzen und eine Frage klären, die ich mir lange Zeit selbst gestellt habe:

Warum sollte man die Rendite nicht einfach verdoppeln, wenn wir doch von einer positiven Rendite ausgehen?

Klären wir als erstes, worum es sich bei diesen Hebel-ETFs überhaupt handelt.

Die Konstruktion des gehebelten ETFs

Der ETF, der dir die Wertentwicklung des Index vervielfacht, wird gehebelt.

Im englischen heißt Hebel „Leverage“. Ein gehebelter ETF wird gängigerweise mit einem „Lev“ versehen, wie hier ein ETF auf den DAX bei der comdirect:

hebel auf den dax

Dieser Hebel entsteht in der Regel durch den Einsatz von Fremdkapital. Ein kurzes Beispiel dazu:

Du investierst 10.000€ in einen normalen ETF. Wenn dein ETF um 1% steigt machst du einen Gewinn von 100€.

Der Hebel verfährt folgendermaßen: Entscheidest du dich für einen 3-fachen Hebel, leihst du dir Geld von der Bank. Du leihst dir 20.000€.

Somit kannst du mit insgesamt 30.000€ investieren. Die Wertsteigerung beträgt bei 1% jetzt also 300€ – obwohl du nur mit 10.000€ Eigenkapital investiert hast.

Die Rendite auf deine 10.000€ beträgt jetzt also 3% – deine Rendite hat sich verdreifacht.

Auf diese Art und Weise werden Hebelprodukte in der Praxis oft konstruiert und dadurch die Rendite vervielfacht.

Das Beispiel ist aber eine positive Momentaufnahme. Genauso wirkt die Verdreifachung auch in die negative Richtung:

Wenn der Index um 2% fällt, verliert dein gehebelter ETF bei 3-fachem Hebel um 6% an Wert.

Du siehst also: Es gilt das bekannte Gesetz an der Börse. Höhere Chancen werden mit höherem Risiko bezahlt.

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Unfairer Trick Shortcode Bild

Soweit, so gut. Wir gehen nach wie vor von einer langfristig positiven Aktienkursentwicklung aus. Was ist dabei aber zu beachten?

Wie die Pfadabhängigkeit dich vom Index weghebelt

Das zentrale Problem, auf das wir bei einem gehebelten ETF stoßen, ist die Pfadabhängigkeit.

Denn die Berechnung ist nicht ganz so einfach, wie sie am Anfang scheint.

Die prozentuale Entwicklung des zugrunde liegenden Index wird verdoppelt oder nach jeweiligem Hebel vervielfacht.

Wir starten bei unserem Index bei 100 Punkten. Der Index legt um 2% zu und steigt auf 102 Punkte.

Ein 3-fach gehebelter ETF steigt jetzt um 6% auf 106 Punkte. Soweit ist noch alles im Lot.

Jetzt fällt der Index wieder zurück auf 100 Punkte. Der normale Index verliert also 1,96%.

Der gehebelte ETF verdreifacht diese Rendite nun. Das heißt: Die negative Rendite beträgt 5,88%.

Jetzt kommt das Spannende: Der gehebelte ETF fällt nicht zurück auf 100, sondern landet bei 99,77 Punkten.

Während der normale Index also bei einer Rendite von 0% liegt, hat der gehebelte ETF verloren. Und genau diese Seitwärtsbewegungen, von denen es an der Börse viele gibt, sind das Problem der gehebelten ETFs.

Diese Pfadabhängigkeit führt zu einigen Besonderheiten, die ich für verschiedene Szenarien durchgerechnet habe. Die Ergebnisse:

Fall 1: Wenn der Index zwei Mal hintereinander steigt, steigt die Rendite etwas stärker als der ursprüngliche Hebel.

Beispiel: Der Index steigt 2x: 100 -> 110 -> 120 – Der Hebel-ETF landet dann bei 2-fachem Hebel bei 142,8, die Wertsteigerung wurde also um etwas mehr als das Doppelte gehebelt.

Fall 2: Wenn der Index erst steigt, dann wieder auf den anfänglichen Stand fällt, hat der Hebel-ETF an Wert verloren. Das ist das Beispiel, das ich dir oben gezeigt habe.

Fall 3: Wenn der Index erst fällt, dann wieder auf den anfänglichen Stand steigt, hat der Hebel-ETF ebenfalls an Wert verloren.

Fall 4: Wenn der Index zwei Mal hintereinander fällt, fällt der Hebel-ETF nicht so stark wie der ursprüngliche Hebel.

Beispiel: Der Index fällt 2x: 100 -> 90 -> 80 – Der Hebel-ETF landet dann bei 2-fachem Hebel bei 66,2, die Wertsteigerung wurde also um etwas weniger als das Doppelte gehebelt.

Halten wir also den Einfluss der Pfadabhängigkeit fest:

Bei einer geradlinigen Bewegung des Index führt die Pfadabhängigkeit zu einer besseren Entwicklung als der Hebel des ETFs es aussagt.

Dabei sei gesagt: Wenn der Markt geradlinig fällt, fällt der Hebel-ETF nicht so stark wie es der Hebel aussagt, nichtsdestotrotz wurde eine fallende Marktbewegung und damit eine negative Rendite vervielfacht – was selbst abgeschwächt nicht optimal ist.

Bei einer kombinierten Auf- und Abwärtsbewegung, sprich einer Seitwärtsbewegung des Marktes, führt die Pfadabhängigkeit zu einer schlechteren Rendite bzw. zu einer negativen Rendite, obwohl der Index selbst sich nicht verändert hat.

Wenn wir dieses Ergebnis einmal analysieren, sehen wir die Nachteile des gehebelten ETFs.

Die Analyse der Hebelbewegungen (die dich ins Nirwana führen)

Der große Vorteil von gehebelten ETFs kommt zum Vorschein, wenn der Index viele Male hintereinander steigt.

Die positive Rendite wird vervielfacht, die Rendite steigt sogar noch über den ursprünglichen Hebel (wegen der beschriebenen Pfadabhängigkeit).

Das Problem: Das ist der einzige der vier Fälle, in denen der Hebel einen Vorteil hat.

Bei beiden Seitwärtsbewegungen, also in zwei der vier möglichen Fälle, verliert der gehebelte ETF.

Wenn der Index an Wert verliert, verdoppelt der ETF also die negative Rendite – auch wenn die Pfadabhängigkeit dies minimal abschwächt.

Also haben wir drei negative Fälle, einen positiven.

Aber wie realistisch ist es, dass der Index zwei Mal (oder öfter) hintereinander steigt?

Die Aktienkurse steigen nicht geradlinig. Die Börse verläuft dauernd im Zick-zack. Mal steigen die Kurse, mal fallen sie – Tag für Tag ändert sich das.

Genau deshalb haben wir meistens Seitwärtsbewegungen. Und diese seitliche Entwicklung führt dazu, dass dein ETF peu a peu an Wert verliert. Selbst wenn der Index nicht an Wert verliert.

Der Widerspruch zur langfristigen Geldanlage

Vor allem langfristig wirst du zwangsläufig viele Seitwärtsbewegungen mitnehmen und in diesen investiert sein.

Aber wir wollen langfristig investieren um das maximale aus unserer Geldanlage rauszuholen.

Genau da entsteht der Widerspruch: Langfristig investieren ist die beste Variante zum Investieren – doch die langfristige Investition beinhaltet Bewegungen, in denen der gehebelte ETF dir zusätzliche Verluste beschert.

Vor allem entfernt sich die Rendite des Hebel-ETFs immer weiter von der Rendite des zugrundeliegenden Index.

Morningstar.ch schreibt:

Tatsächlich steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie weitaus weniger als das Doppelte der Rendite erzielen, je länger Sie einen dieser ETFs halten.

Eine Rechnung, die bei unserer anfänglichen Intuition aufgehen würde, wäre folgende:

Du kaufst den ETF während der Index auf 100 steht. Wenn die Berechnung des Hebels erst beim Verkauf stattfinden würde, würde der Hebel dir helfen.

Sollte der Index nach 10 Jahren auf 300 Punkten stehen, hast du eine Rendite von 200% erreicht. Der 2-fache Hebel verdoppelt die Rendite auf 400%.

So hätten wir es gerne.

In der Realität wird diese Rendite jedoch nicht erst beim Verkauf berechnet, sondern täglich. Das erkennst du an dem „Daily“ in der ETF-Bezeichnung:

tägliche berechnung

Durch diese tägliche Berechnung entsteht langfristig der entscheidende Nachteil. Du musst jede tägliche Kursbewegung, inklusive Pfadabhängigkeit, mitnehmen.

Du wirst also nur profitieren, wenn du den gehebelten ETF kurzfristig einsetzt.

Doch kurzfristig sind die Kurse an der Börse nicht vorhersehbar. Es ist hoch spekulativ und funktioniert nur in den wenigsten Fällen.

(Tipp: Willst du wissen, wie du die ETFs findest, die wirklich am günstigsten sind - und zwar viel genauer als mit der TER? Schaue dir mein Video dazu an.)

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Ist der gehebelte ETF für dich geeignet oder nicht?

Gehebelte ETFs sind für langfristige Investoren in meinen Augen nicht geeignet.

Du gehst ein höheres Risiko ein und nimmst viele Risiken auf dich. Der Erfolg hängt dabei aber von Faktoren ab, die nicht in deiner Hand liegen.

Du kennst die kurzfristige Entwicklung des Marktes nicht. Du weißt nicht, wohin dich die Pfadabhängigkeit treibt und in welche Richtung sich der gehebelte ETF von dem eigentlichen Index entfernt.

Auch die TER, die Gesamtkostenquote eines gehebelten ETFs, ist in der Regel deutlich höher als vergleichbare „normale“ ETFs, da die Vorgehensweise schlichtweg teurer ist und diese Kosten auf den Anleger umgelegt werden.

Der Grundgedanke ist also durchaus richtig. Die Konstruktion und die Berechnungsweise der gehebelten ETFs machen uns aber einen Strich durch die Rechnung.

Es ist ein Widerspruch in sich: Ein kurzfristiges Anlageinstrument ist nicht für die langfristige Investition geeignet.

Die normale Investition in Aktien liefert eine sehr gute Rendite.

Das zusätzliche Risiko der „leveraged ETFs“ ist es in meinen Augen nicht wert, diese aufs Spiel zu setzen.

Genügsamkeit und Geld sind weit wichtiger. Und wie Warren Buffett so schön sagte:

„Erfolgreiches Investieren benötigt Zeit, Disziplin und Geduld. Unabhängig davon, wie groß Dein Talent oder Deine Anstrengungen sind, einige Dinge brauchen einfach Zeit: Man kann kein Kind in einem Monat bekommen, indem man 9 Frauen schwängert.”


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Über den Autor

Ich bin Jannes. Student, Privatanleger und Gründer von aktienboss.de. Ich möchte dir dabei helfen, entspannt und rational das Beste aus deinem Geld zu machen.


10 Kommentare, gib auch deinen ab!

  1. Guter Beitrag. Was ist jedoch mit einem Lombardkredit? Man kann ja auch mit seinem Aktienportfolio als Pfand einen Kredit aufnehmen und das Geld dann wiederum in Aktien investieren. Lohnt sich das und wenn ja, bis zu welchem Zinssatz?

    • Hi Peter,

      Das ist definitiv ein spannendes Thema. In der Theorie funktioniert das, solange der Zins des Kredits geringer ist als unsere erwartete Rendite, wobei man da sehr vorsichtig kalkulieren sollte. Wenn wir also annehmen, dass wir in der Zukunft 8% p.a. erwirtschaften, könnte man einen Kredit bis zu 4% p.a. aufnehmen, um einen Puffer zu haben.

      Aber generell würde ich Privatanlegern davon abraten. Die Kreditzinsen müssen auch, wenn die Rendite nicht so gut ausfällt, weiter gezahlt werden. Dieses Risiko wäre mir den Gewinn von ein paar Prozentpunkten wahrscheinlich nicht wert. Immobilien eignen sich da schon eher zum Hebeln mit Fremdkapital, da sie recht zuverlässige Mieteinnahmen liefern, was auch der große Vorteil der Investition in Immobilien ist.

      Beste Grüße,
      Jannes

  2. Wow – ein richtig guter Artikel mit enormen Mehrwert!
    Dennoch finde ich, dass man dennoch mit gehebelten Produkten investieren kann…
    Aber man muss sich deinen richtigen Rechnungen vollkommen im Klaren sein!

    Ich hätte noch einen weiteren Punkt, warum Hebelprodukte nicht geeignet sind. Die Emotionen!
    Für viele ist es schon schwer genug Kursrückgänge von 20% zu verkraften. Wenn da nun noch ein Hebel dazu kommt, werden noch mehr Leute überstürzt verkaufen!

    • Vielen Dank!

      Ja, man kann gehebelte Produkte durchaus verwenden. Nichtsdestotrotz muss man dann schon genau wissen, wie man damit umgeht und vor allem Anfängern würde ich davon immer abraten.

      Da hast du Recht. Für risikoaverse Anleger werden Aktien an sich wohl schon die Belastungsgrenze darstellen, da wären gehebelte ETFs dann wirklich zu viel des Guten. Also wenn gehebelte ETFs, dann nur fortgeschrittene und risikofreudige Anleger.

      Vielen Dank nochmal für dein positives Feedback!

      Beste Grüße,
      Jannes

  3. Hallo Jannes,

    Glückwunsch zu diesem Artikel. Auch den finde ich sehr gut!

    Ich persönlich bin mir über die Risiken von gehebelten ETFs ganz gut im Klaren und würde niemals in einen solchen ETF investieren.

    Man betrachte nur die Entwicklung an den Börsen in den ersten Tagen des neuen Jahres aufgrund der Börsenkrise in China.

    Diese war nicht unbedingt vorhersehbar und die Verluste fressen den Jahresgewinn von 2015 fast auf – ungehebelt, und an gehebelte Verluste möchte ich gar nicht erst denken.

    Also: Finger besser weg von gehebelten ETFs – das ist eindeutig etwas für Zocker!

    Viele Grüße

    Jürgen

  4. Hi. ich möchte dem herrn Dr. doch etwas widersprechen. Richtig ist, dass gehebelte ETF’s risikoreicher sind , aber sie sind definitiv nichts für Zocker, sondern für fortschrittlichen Anleger, welche Erfahrungen mit charttechnischer und fundamentaler Analyse haben, genauso auch ein -hoffentlich kluges – money management besitzen.
    In diesem Fall (wenn jeman sein ETF hebelt) wird er 1. nicht sein ganzes Portfolio davon bilden. 2. Er würde es mit anderen Produkten „hedgen“ 3. er wäre mit dieser Strategie nicht langfristig sondern eher kurzfristig investiert, welches aber ein aktives und kein passives Einkommen generiert. 4. es gibt imho kein gehebeltes Produkt, welches kein aktives Management braucht.
    Mfg
    Badboi

    • Hallo,

      Ich muss dir insofern Recht geben, als dass auch durchaus fortgeschrittenere Anleger mit gehebelten ETFs arbeiten können, ohne Zocker zu sein. Zocken kann man ja grundsätzlich erst einmal mit jedem Produkt, auch mit normalen ETFs – der Umgang damit macht einen erst zum „Zocker“.

      Aber ich kann auch aus persönlicher Erfahrung bestätigen, dass viele Anleger mit weniger Kapital diese gehebelten ETFs nutzen, um schneller voran zu kommen, sich der Risiken aber nicht bewusst sind, wo es dann tatsächlich problematisch wird.

      Beste Grüße,
      Jannes

  5. Wenn der Lev-ETF als Dauerinvestment versagt bzw. genannte Nachteile generiert, wäre es dann nicht sinnvoll, ihn zu schorten? Es gibt diese ETFs meist als Paar. Um somit wiederum auf steigende Kurse des Basiswertes zu setzen, könnte man doch den entsprechenden Short-ETF schorten und wäre damit wieder Long? Gleichzeitig hätteman aus dem Zeitverhalten den Vorteil anstatt Nachteil.

    • Das ist ein interessanter Ansatz, ist aber in der Praxis schwierig umzusetzen. Es ist nicht unbedingt das Problem, dass durch den Lev-ETF ein sicherer Verlust entsteht, den man durch einen Short zum Gewinn umwandeln kann. Viel mehr ist das Problem, dass dieses Instrument bei einer langfristigen Geldanlage relativ schwer zu kalkulieren ist, da es sich vom Basiswert entfernt – das wäre sowohl bei einer Long, als auch einer Short-Ausrichtung der Fall.
      Wenn ich zwischen einem Long- und einem Short-Lev-ETF wählen müsste, würde ich immer noch den Long-Lev-ETF wählen, da die Aktienkurse im Schnitt öfter steigen als sie fallen.

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