Vom Leitzins profitieren: So geht's richtig

Vom Leitzins profitieren: So geht’s richtig

Donnerstag, der 5. Juni 2014: Die Europäische Zentralbank senkt den Leitzins auf historisch niedrige 0,15 Prozent. Der Einlagezins für Banken ist bei –0,10% (ja, wirklich, ein negativer Zins).

Der DAX durchbrach im Anschluss die symbolische 10.000-Marke. Wer blickt da noch durch?

Wenn du der Masse folgst, wirst du Geld verlieren. Ich  zeige dir, wie du von der ganzen Unsicherheit sogar profitieren kannst.

Ich habe den ganzen Wirrwarr hier für dich entschlüsselt. Die Medien spielen schließlich wieder verrückt und schaffen damit nur das Gegenteil.

Wachsende Altersarmut, Enteignung der Sparer – die Gefahren sind da. Es gibt jedoch Wege, mit denen dir diese Gefahren ziemlich egal sein können.

Meine Intention ist es grundlegend, mit dir ein generelles Denken über Geld und die Börse zu diskutieren. Damit du mit jeder Situation intuitiv umgehen kannst.

Dieser Artikel gibt dieses Denken in der Praxis wieder: Wie reagieren wir bei einer solch seltenen Situation wie der erneuten Leitzinssenkung? Ich zeige dir meinen Weg.

Was ist überhaupt „der Leitzins“?

Es gibt nicht nur einen Leitzins, sondern drei. Diese Leitzinssätze für den Euroraum werden von der Europäischen Zentralbank (EZB) festgelegt.

Diese sind:

  1. Einlagesatz

Wenn eine Bank kurzfristig überschüssiges Geld hat, das sie nicht benötigt, kann sie es bei der EZB anlegen. Als Verzinsung erhält sie dafür den Einlagezinssatz.

  1. Hauptrefinanzierungssatz

Dies ist der gemeinhin als Leitzins betitelte Zinssatz und gilt als wichtigstes geldpolitisches Instrument der EZB. Ich werde ihn im Folgenden auch als Leitzins bezeichnen.

Zu diesem Zinssatz können sich die Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen. An der Höhe des Hauptrefinanzierungssatzes orientieren sich die Verzinsungen, die die Banken dir bei Tages- und Festgeldkonten und ähnlichen bieten.

  1. Spitzenrefinanzierungssatz

Wollen Banken sich sehr kurzfristig, also „über Nacht“ Geld von der EZB leihen, zahlen sie dafür diesen Zinssatz auf das geliehene Kapital.

Was ist nun passiert?

Wir erleben momentan historische Tiefstände bei den Leitzinssätzen. Die Grafik verdeutlicht dir den Verlauf der Leitzinsen.

leitzinsentwicklung

Mitte 2008 lag der Leitzins noch bei 4,25%. Ende 2000 sogar noch bei 4,75%. Dementsprechend hohe Zinsen hat auch der Privatanleger von seiner Bank geboten bekommen.

Heute liegen wir bei einem Leitzins von 0,15%. Der Einlagezinssatz ist sogar negativ. Das heißt: Eine Bank legt kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der EZB an und bekommt weniger zurück. Ein Strafzins.

Wahrscheinlich rebelliert dein gesunder Menschenverstand gerade genauso wie meiner. Das ist jedoch momentan unsere Realität.

Warum das ganze?

Die EZB möchte durch den niedrigeren Zinssatz die Wirtschaft in den schwächelnden Euro-Staaten ankurbeln.

Die Theorie sieht folgendes vor:

Niedrigerer Leitzins → niedrigere Zinsen → günstigere Kredite → erhöhte Kreditvergabe → mehr Geld im Umlauf (Inflation) → erstarkende Wirtschaft

Durch den gesunkenen Zinssatz werden Kredite günstiger von den Banken an den Verbraucher (also Privatperson oder Unternehmen) weitergegeben. Es kommt also mehr Geld in den Wirtschaftskreislauf, es wird investiert.

Mehr Geld bedeutet mehr Inflation, also stärkere Preissteigerungen. Da jedoch eine Inflation von ca. 2% angepeilt wird und wir momentan eher eine Inflationsrate von 1% aufweisen können, ist die Erhöhung der Inflation erwünscht.

Durch die erhöhte Kreditvergabe an die Unternehmen in den schwächelnden Ländern (Portugal, Spanien, Griechenland usw.) soll die dortige Wirtschaft gefördert werden.

Ob die Maßnahmen fruchten ist unter Ökonomen sehr umstritten. Die Kritiker verweisen darauf, dass selbst beim vorherigen Zinsniveau kaum Kredite vergeben wurden. Die meisten Unternehmen seien in den Augen der Banken zu riskante Kreditnehmer, ob der Zins nun 0,25% mehr oder weniger beträgt.

Welche Auswirkungen spüren wir?

Soweit die Theorie. Aber wie wirkt sich das nun in der Realität aus und vor allem: Was bedeutet das für unsere Geldanlage?

Inflationsgefahr

Durch das Erhöhen der Geldmenge steigen die Preise. Das bedeutet für uns, dass wir uns in einem Jahr weniger mit unserem Geld kaufen können.

Die EZB möchte eine Inflation. Daher wird unser Vermögen durch eine höhere Inflationsrate noch schneller noch weniger wert.

Der Ausweg: In inflationsgesicherte Anlagen investieren.

Nichts tun wird NOCH unattraktiver

Sinkender Leitzins bedeutet sinkende Zinsen – logisch. Nicht nur Kreditzinsen sinken, sondern auch die Zinsen, die die Bank dir zahlt.

Das trifft auf folgende Konten zu: Girokonto, Sparbuch, Tages- und Festgeldkonto und ähnliche.

Wenn du dein Geld bisher (bei dem eh schon niedrigen Zins) auf diesen Konten geparkt hast, hast du nun nochmal einen Grund, das zu ändern. Die Zinsen gehen weiter auf die 0% zu.

Du machst sogar höchstwahrscheinlich durch die Inflation einen kalkulierten Verlust.

Auch Anleihen sind von dem niedrigeren Zins betroffen, da auch diese nun mit niedrigerem Zins herausgegeben werden.

Bereits an der Börse emittierte Anleihen werden dagegen teurer, da diese beim höheren Zinsniveau herausgegeben wurden.

Auswege: Aktien, Immobilien und Konsum auf Kredit

Da die herkömmlichen Mittel nun noch weniger Zinsen bringen, schauen die Menschen sich nach Alternativen um.

Dinge, die resistent gegen die Inflation sind und trotzdem ihre Rendite beibehalten – oder sie geben das Geld einfach aus, damit es nicht weniger wert werden kann (was wirklich so blöd ist wie es klingt).

Auch Gold ist eine mögliche Alternative, aber kein zuverlässiger Schutz. Was Gold als Krisenwährung taugt habe ich hier bereits beschrieben.

Deine drei Möglichkeiten

  1. Aktien
  2. Immobilien
  3. Konsum auf Kredit

Wer an die Börse gehen möchte, hat nun kaum eine Alternative zu Aktien. Wer also bisher noch gezögert hat, sollte spätestens durch die momentane Alternativlosigkeit sein Glück ergreifen.

Immobilien erleben ebenfalls einen Aufschwung. Durch günstige Kredite packen viele die Gelegenheit am Schopf und investieren in Immobilien, sei es ein Eigenheim oder gezielter Bau zur Vermietung.

Die dritte Variante ist die weitaus blödeste, wird jedoch tatsächlich oft umgesetzt. Vor allem, wenn kein Vertrauen in die Finanzmärkte oder die eigenen Fähigkeiten in die Geldanlage herrscht.

Autos, die man nicht braucht, werden gekauft. Ein Fernseher auf Kredit für die Fußball-Weltmeisterschaft.

Menschen, die sich nicht trauen, ihre Finanzen in die Hand zu nehmen, haben so eine willkommene Ausrede zum Geld ausgeben.

Gefahr von Spekulationsblasen steigt

Durch diese Umverteilung des Kapitals entsteht aber eine neue Gefahr. Es können sich Spekulationsblasen auf tun, da nun künstlich Geld in die eben von mir beschriebenen Bereiche gepumpt wird.

Dadurch können Aktien schnell überbewertet werden, da das Geld investiert werden muss – unabhängig von den tatsächlichen Verbesserungen oder Profitsteigerungen der Unternehmen.

Genauso steigt das Angebot an Immobilien möglicherweise so an, dass es die Nachfrage irgendwann übersteigt und ein Immobiliencrash folgt.

Diese Gefahren sind schwer abzusehen und werden oft als unrealistisch abgetan, sind aber mögliche Konsequenzen.

Die beiden Wege

Aus diesen Auswirkungen leiten sich nun zwei Typen ab. Je nach Typ, Einstellung und Vorlieben wird ein anderer Weg gewählt.

Der falsche Weg

Kaufe auf Kredit.

Kaufe aus (angeblicher) Alternativlosigkeit.

Zieh dein Geld aus Aktien aus Angst vor einem Crash.

Lass dein Geld auf deinem Girokonto.

Höre auf die Medien.

Du reagierst auf kurzfristige Veränderungen des Leitzins.

Der richtige Weg

Investiere in Aktien, damit dir die Inflation egal sein kann.

Investiere in Aktien, damit du unabhängig von Zinsänderungen investierst.

Lass dich nicht von Medien verunsichern.

Spare immer noch.

Du hältst durch und bleibst investiert, selbst wenn ein Aktienboom mit anschließendem Aktiencrash folgt.

Du legst langfristig an und ignorierst kurzfristige Einflüsse wie den Leitzins.

Welchen Weg gehst du?

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