Wie du einen guten ETF für dein Depot findest

wie du einen etf findest

ETFs bieten viele Vorteile. Sie sind günstig, meistens besser als Investmentfonds und einfach konstruiert.

Aber wie findest du die richtigen ETFs für dein Depot?

Wie unterscheiden sich ETFs und welche Kennzahlen kannst du vergleichen, um die richtigen ETFs zu finden?

Ich möchte dir meine Kriterien an die Hand geben, mit denen ich ETFs vergleiche und beurteile.

Dabei müssen wir die Wahl des ETFs in zwei Schritte unterteilen: Die Wahl der Strategie und die Wahl des richtigen ETFs für diese Strategie.

Dabei bezieh ich mich nur auf die langfristige Anlagestrategie durch ETFs, da ich diese als erfolgversprechendste Herangehensweise sehe.

Was ist ein ETF? Das Wichtigste in Kürze

In diesem Artikel habe ich ETFs ausführlicher beschrieben, samt ihrer Konstruktion und den Vorteilen dieser Fonds.

Ein ETF ist ein börsengehandelter Indexfonds. Er wird nicht aktiv von einem Fondsmanager gemanagt, sondern bildet lediglich einen Index ab.

Du kannst ihn jederzeit an der Börse kaufen und verkaufen.

Dabei fallen nur niedrige Gebühren für die Verwaltung des ETFs an, da es keinen aktiven Entscheidungen bedarf. Dadurch kannst du auch ohne großes Kapital in viele Aktien gleichzeitig investieren.

Die meisten aktiv gemanagten Investmentfonds schaffen es nicht, ihren vergleichbaren Index zu schlagen – obwohl sie eine höhere Gebühr verlangen.

Das führt dazu, dass die Rendite der ETFs in den meisten Fällen besser ist als die der aktiven Investmentfonds. Genau das erklärt auch ihre immer mehr zunehmende Popularität.

Aber wie findest du jetzt den richtigen ETF für dich?

Schritt 1: Deine Strategie – die richtigen Indizes

Die Wahl deiner Strategie bestimmt zentral, welche ETFs überhaupt für dich in Frage kommen.

Die Strategie bei der Investition in ETFs wird dabei durch die Indizes bestimmt, die deine ETFs abbilden sollen.

Mit der Strategiefindung könnte man viele Bücher füllen. Ich möchte dir hier aber die wichtigsten Leitlinien an die Hand geben, die du auf deine eigene Investition anwenden kannst.

1.1: Welche Gewichtung?

Fühlst du dich wohl, wenn du ausschließlich in Aktien investierst?

Anleihen und Rohstoffe können dein Depot resistenter gegen Kursschwankungen machen, aber auch die Rendite ausbremsen.

Du könntest also 70% deines Geldes in Aktien-ETFs und 30% in Anleihen-ETFs investieren.

Du musst langfristig eine Gewichtung finden, bei der du dich wohl fühlst. Dieses Themengebiet nennt man auch „Asset-Allocation“.

Aber nicht nur die Gewichtung deines investierten Geldes ist dabei wichtig. Genauso musst du dein gesamtes Vermögen gewichten:

Wieviel Geld willst du in bar halten und wieviel Geld kannst du langfristig für deine Geldanlage entbehren?

Auch diese Frage bedarf einer gut überlegten Gewichtung. Dabei solltest du dich nicht überschätzen.

Investiere kein Geld, das du eigentlich nicht entbehren kannst. Wenn du zu viel Geld investierst werden die möglichen finanziellen Engpässe dein Leben nur unnötig erschweren.

1.2: Nach welchen Kriterien möchtest du investieren?

Nachdem du die Gewichtung festgelegt hast, musst du dich entscheiden, wo deine Anlageziele liegen.

Dabei gibt es verschiedene Kriterien, die du heranziehen kannst:

  • eine bestimmte Region (bspw. USA)
  • eine bestimmte Branche (bspw. Technologieunternehmen)
  • eine bestimmte Kennzahl (bspw. Unternehmen mit einer hohen Dividendenrendite)
  • Nachhaltigkeit
  • ein beliebiges anderes Kriterium

Das sind einige der Faktoren, nach denen verschiedene Indizes aufgestellt werden. Diese Indizes kannst du durch ETFs abbilden.

Dabei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Auf justetf.com kannst du die ETFs nach genau solchen Kriterien sortieren und für dich herausfiltern.

1.3: Wie viele Indizes willst du mit welcher Gewichtung abbilden?

ETFs beinhalten von Natur aus viele Aktien. Dabei beinhalten die einen ETFs mehr, die anderen ETFs weniger Aktien.

Wenn du deine Kriterien definiert hast, steht der letzte Schritt in der Strategiefindung an: Wieviele Indizes packst du in dein Depot?

Der Kauf eines jeden ETFs ist mit Kosten in Form der Ordergebühr verbunden. Das sollte dich aber nicht davon abhalten dein Depot nach deinen Vorstellungen zu gestalten.

Du entscheidest also welche Kriterien du berücksichtigen willst. Jetzt musst du festlegen…

  • wie viele Indizes du berücksichtigen möchtest
  • welche Indizes die größte Gewichtung ausmachen sollen und welche die wenigste

In der Regel hast du größere und kleinere ETFs. Je mehr Aktien der ETF beinhaltet, desto breiter streut er. Er dient als Grundlage für dein Depot.

Mit anderen, kleineren Indizes kannst du dein Depot verfeinern und bestimmte Aspekte gezielt berücksichtigen.

Dadurch legst du letztendlich fest, wieviele Indizes es letztendlich in dein Depot schaffen sollen. Final legst du fest, welche Gewichtung jeder dieser Indizes ausmachen soll.

Schritt 2: Die Anwendung – Die richtigen ETFs

Der erste Schritt ist getan. Die Strategie steht. Jetzt geht es darum, dass wir diese Strategie in unserem Depot so gut wie möglich umsetzen.

2.1: Die Kosten niedrig halten – TER

Die zentrale Kennziffer, um die jährlich anfallenden Kosten des ETFs schnell zu überblicken, ist die Total Expense Ratio.

Diese Gesamtkostenquote gibt den Prozentsatz an, den der ETF-Betreiber von dir bekommt, damit er den Fonds laufend an den jeweiligen Index anpasst.

Bei den größten und populärsten Indizes liegt diese TER oft im Bereich von 0,1 – 0,3%, was sehr niedrig ist.

Je spezieller und anspruchsvoller die Indizes werden, desto höher ist auch die TER. Das sollte dich jedoch nicht davon abhalten, die Indizes deiner Wahl zu kaufen.

Nochmal zum Vergleich: Aktiv gemanagte Investmentfonds verlangen meist eine Gebühr von ca. 2% jährlich. Hier entsteht also schon ein großer Unterschied.

Merke: Wähl einen ETF mit einer möglichst geringen TER, um die Gebühren angenehm niedrig zu halten.

(Tipp: Willst du wissen, wie du die ETFs findest, die wirklich am günstigsten sind - und zwar viel genauer als mit der TER? Schaue dir mein Video dazu an.)

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2.2: Größer ist besser – Fondsvolumen

Das Fondsvolumen gibt an, wieviel Geld alle Anleger zusammen in den ETF investiert haben.

Wir sprechen da über Größenordnungen, die von wenigen Millionen bis zu einigen Milliarden reicht.

Warum ist aber die Fondsgröße überhaupt wichtig?

Sollte ein ETF zu klein werden, ist er für die auflegende Fondsgesellschaft nicht mehr rentabel genug. Da die Kosten gering sind, muss relativ viel Geld investiert werden, damit sich der Aufwand für die Betreiber lohnt.

Wenn das nicht mehr der Fall ist, kann es sein, dass der ETF geschlossen wird.

Das ist aber kein Weltuntergang: Dein Geld ist nicht weg. Du bekommst die Anteile einfach wertmäßig ausgezahlt und kannst dann in einen anderen ETF investieren.

Dadurch zahlst du allerdings Steuern und die erneute Ordergebühr. Deshalb wollen wir das von vornherein vermeiden.

Außerdem ist ein größerer ETF besser an der Börse handelbar. Wenn mehr ETF-Anteile gehandelt werden hast du einen geringeren Spread (Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs), was sich für dich positiv auswirkt.

Merke: Such dir einen ETF, der mind. 50 Mio. Euro verwaltet. Je mehr, desto besser.

2.3: Was passiert mit Zinsen und Dividende?

Viele Aktien zahlen eine Dividende. Anleihen zahlen Zinsen aus.

Wir müssen uns also entscheiden, was mit den Gewinnen aus den Aktien passieren soll.

Du hast zwei Möglichkeiten:

  1. Diese Gewinne werden an dich ausgeschüttet.
  2. Diese Gewinne werden automatisch reinvestiert.

Werden die Gewinne automatisch reinvestiert, steigt der Wert deiner ETFs schneller an. Diese ETFs sind thesaurierend.

Die Variante, die dir Gewinne ausschüttet, heißt einfach ausschüttend. Das ist vor allem dann attraktiv, wenn du ein Einkommen aus deinem Investment generieren möchtest.

Merke: Beide Varianten definieren nicht, ob ein ETF besser ist als der andere. Es kommt ganz darauf an, welche Form dir lieber ist.

2.4: Wie soll der ETF gebaut sein?

Es gibt verschiedene Wege, wie der ETF die Aktien eines Index abbildet.

  1. Eine andere Bank garantiert dem ETF-Aufleger die Rendite eines Index. Das nennt sich Swap-Geschäft.
  2. Der ETF kauft alle oder den wichtigsten Teil der Aktien, die sich in dem Index befinden. Das nennt sich replizierend.

Beide Varianten unterscheiden sich letztendlich nur sehr wenig, da in beiden Fällen der Index sehr gut abgebildet wird – das kann aber von ETF zu ETF variieren.

Zusätzliche Unterschiede kann es geben, wenn du einen ausländischen, thesaurierenden Swap-ETF wählst.

Dort wird keine Dividende ausgewiesen, sondern die Dividende als Kurssteigerung verbucht – da die Kurssteigerung von der kooperierenden Bank gezahlt wird und keine Dividende direkt vom Unternehmen kommt.

Dadurch muss der ETF nicht direkt, sondern erst beim Verkauf versteuert werden.

Merke: Die Abbildungsart des ETFs ist egal, kann in manchen Fällen zu Änderungen bei der Versteuerung führen.

2.5: Das Herkunftsland

Jeder ETF wird in einem bestimmten Land aufgelegt.

Oft sind das die Länder, in denen der Fonds steuergünstig betrieben werden kann.

Dieser Punkt greift in den vorherigen ein:

Durch das Domizil des Fonds entscheidet sich nicht, ob ein Fonds gut oder schlecht ist. Es ändert lediglich die Besteuerung des Fonds.

Wenn der ETF im Ausland aufgelegt wird kann das für dich zusätzlichen bürokratischen Aufwand bedeuten.

Wenn der ETF Dividenden- und Zinsgewinne erzielt, wird er doppelt besteuert: Der Staat, in dem der ETF aufgelegt ist, fordert seinen Teil. Deutschland möchte allerdings auch nochmal verdienen.

Liegt die Steuer des Herkunftsland des ETFs unter der deutschen Abgeltungssteuer von 25% liegen, hast du keine Probleme.

Liegt die Steuer allerdings über der deutschen Steuer, kannst du dir diese zurückfordern. Das ist je nach Land mit unterschiedlichem Aufwand verbunden.

Merke: Das Herkunftsland des ETFs bestimmt nur steuerliche Aspekte, hat aber keine Auswirkung darauf, ob ein ETF gut oder schlecht ist.

(Tipp: Den simplen und wissenschaftlich fundierten Trick, mit dem du bis zu 96% der Fondsmanager schlägst (bei nur ca.  3 Stunden Aufwand pro Jahr) erfährst du hier.)

Unfairer Trick Shortcode Bild

So findest du den ETF, der dein Depot bereichert

Nach diesem Schritt-für-Schritt Plan solltest du deine Investition in ETFs durchführen.

Als erstes brauchst du eine Strategie. Diese beruht auf der Wahl der richtigen Indizes und dient als Grundlage für alles Weitere.

Danach musst du die richtigen ETFs finden, die deine Strategie so gut wie möglich in die Tat umsetzen.

Dabei gibt es verschiedene Kennzahlen, die dir helfen, die guten von schlechten ETFs zu unterscheiden. Außerdem gibt es einige Aspekte, die du berücksichtigen solltest, damit der ETF möglichst gut deinen Bedürfnissen gerecht wird.

Wenn du diese Schritte verstehst, planst, verfolgst und umsetzt, steht deiner erfolgreichen Investition in ETFs nichts mehr im Wege.

Dich interessiert das Thema ETF noch mehr? Dann trag dich hier für meinen bald erscheinenden ETF-Kurs ein, in dem ich dir alles zeige, was du brauchst, um dir selbst ein Depot auf Basis von ETFs einzurichten und langfristig erfolgreich zu investieren.

Ich werde dort meine besten Tipps und Ratschläge zum Besten geben und zeig dir in verständlichen Videos Schritt für Schritt, wie du dein Depot planst, aufsetzt und für dich arbeiten lässt.


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